BIKINI STORY 2017-12-15T09:07:36+00:00

DIE BIKINI STORY

Die Geschichte des Bikinis in Europa begann um 1900, als der Freiburger Valentin Lehr, ein sog. deutscher Lebensreformer, eine neue zweiteilige Bademode kreierte, die Brust und Scham bedeckte. Sie wurden ausschließlich von Anhängerinnen der Freikörperkultur getragen. Damals wurden Frauen, die in der Öffentlichkeit zu viel nackte Haut zeigten, am Strand verhaftet. Der Trendwandel fand in den 1930er Jahren statt – von der „vornehmen Blässe“ zur „gesunden“ Bräune.

In Deutschland wurde der amerikanische Zweiteiler „Palm Beach Combination“ zunehmend populär, denn nicht im Kaiserreich Deutschland, sondern in den Vereinigten Staaten fand Valentin Lehrs Idee offenbar besonderen Anklang: Schon in den 20er Jahren wurde dort diese „Palm Beach Combination“ kreiert, die dem antiken Vorbild und dem Entwurf Lehrssehr ähnelte. Das Unterteil war ein kurzer Rock oder eine miederartige Hose, das Oberteil ähnelte einem BH. Ein speziell erlassenes Gesetz von 1932 („Zwickelerlass“) untersagte das Tragen eines Zweiteilers in der Öffentlichkeit. Die Nationalsozialisten verschärften die Normen der Badekleidung. Ausschließlich Einteiler mit Beinansatz waren erlaubt. Trotzdem trug u.a. Eva Braun Zweiteiler.

Die offizielle Geschichte geht ungefähr so: Im Jahr 1946 entwickelt Jacques Heim, ein französischer Designer aus Cannes einen „aufschlussreichen“ zweiteiligen Badeanzug und nannte ihn „Atom“. Um die neue Produktion zu fördern warb er mit der Überschrift: „Atom – der weltweit kleinste Badeanzug“.

Nur 3 Wochen später ließ Louis Réard, ein französischer Maschinenbauingenieur, der als eigentlicher Erfinder des Bikinis gilt, die neue Bademode 1946 patentieren und gab ihm somit seinen Namen, nach dem Bikini-Atoll im Pazifik benannt – wohl in makabrer Anlehnung an die Vorlage seines Mitstreiters und die Atomwaffentests, die die Amerikaner dort zwischen 1946-1958 durchführten.

Jedoch belegen Quellen, dass die erste Version der zweiteiligen Badebekleidung bereits um 1940 in Deutschland getragen wurde, sozusagen aus der Knappheit der Materialien in der Nachkriegszeit heraus. Damals nannten ihn die Frauen schlicht „Zweiteiler“.

Réard wagte die Präsentation durch das Revuegirl Micheline Bernardiniam 5. Juli 1946 in Paris, da kein Fotomodell sich dazu bereit erklärte, in einer Zeit, als das Tragen eines Bikinis noch ein Skandal war.

In den ersten Jahren konnte sich das neue Kleidungsstück noch nicht durchsetzen, da es als schamlos und skandalös galt und es an vielen Badeorten verboten war, u. a. in Italien, Spanien und Portugal.

Paradoxerweise wurde es 1949 von der französischen Polizeipräfektur am Mittelmeer erlaubt, aber zeitgleich an der französischen Atlantikküste verboten. Auch in den USA wurde der Bikini aufgrund von „Moralgesetzen“ verboten, besonders in Hollywoodfilmen und bei Schönheitswettbewerben.

Entgegen der landläufigen Meinung war der Bikini jedoch eigentlich eine alte Erfindung für römische Turnerinnen, belegt durch Mosaiken von Villa Romana del Casale in Sizilien, Italienaus dem vierten Jahrhundert.

Aber die Geschichte des Bikinis geht noch weiter zurück , wurden zweiteilige Kleider von Frauen doch bereits um 1400 v.Chr für sportliche Zwecke getragen, wie es auf griechischen Urnen und Gemälden aus dieser Zeit dargestellt wird.

In den 1950er Jahren wurden Wespentaille, runde Hüften und ein voller Busen kennzeichnend für das Idealbild der Frau. Die Badeanzüge wurden mit einem Figur modellierenden Innenleben versehen, die die Taille zusammenschnürten und die Brust anhoben.

Zweiteiler eignen sich nicht, um dieses Schönheitsideal zu erreichen. Der Bikini wurde aus der Mode verbannt. Nichts desto trotz zeigten sich Sexsymbole wie Marilyn Monroe und Brigitte Bardot 1953 im Bikini.

Die Renaissance des Bikinis begann, als das Frauenmagazin „Constanze“ 1959 titelte: „Bikinis stehen wieder hoch im Kurs“. 1960 wurde der Bikini mit „Itsy Bitsy Teenie Weenie Yellow Polka Dot Bikini“ besungen und der 16-jährige Brian Hyland erstürmte die Spitze der amerikanischen Charts und leistete damit dem Bikini weiteren Vorschub. Auch das deutsche Magazin „Freundin“ warb 1962 für die Rückkehr des Bikinis.

In dem Film „James Bond – 007 jagt Dr. No“ von 1962 tritt die schweizerische Schauspielerin Ursula Andress als erstes Bondgirl der Filmreihe in einer als legendär eingestuften Filmszene auf: In der Rolle der Muscheltaucherin Honey Ryder entsteigt sie bekleidet mit einem weißen Bikini dem Meer.

Das originale Filmkostüm der Ursula Andress von 1962 wurde am 14. Februar 2001 in einer Auktion bei Christie’s in London für ca. 60.000 US-Dollar an einen Sammler (Besitzer einer Restaurantkette) verkauft; der Bikini wurde damit zum teuersten Stück Badebekleidung aller Zeiten. Andress‘ Bikini wurde zum Meilenstein in der Geschichte der Emanzipation der Frau, die „Geburt der sexuellen Revolution“ war eingeleitet.

1965 entwickelte Réard einen noch knapperen Zweiteiler als den Bikini: den „Sexykini„. Er gilt als ein Vorläufer des brasilianischen Tangas (das indianische Wort bedeutet ‚Lendenschurz‘). Nicht desto Trotz wurde das Tragen von Bikinis bis Mitte der 60er Jahre strafrechtlich verfolgt.

In den 70er Jahren etablierte sich der Bikini als gängige Badebekleidung weltweit, wenn auch besonders in den USA in seinen Abmessungen kontrolliert.

Gegenwärtig gibt es unterschiedliche Modeströmungen. Einerseits werden vor allem in den USA und Lateinamerika ausgesprochen knapp geschnittene Bikinis beliebter.

Zum anderen werden weitere Formen der Badebekleidung entworfen, die dem zunehmenden Anteil muslimischer Bevölkerung in westlichen Ländern gerecht werden und islamischen Frauen die Teilnahme am Strandleben ermöglichen sollen.